Artikel in der RNZ vom 08.07.2011

Hier kämpft David gegen Goliath

 

Die Müllumladestation des Unternehmens Sita Suez in Edingen-Neckarhausen lockt Schwärme von Krähen an. Die Vögel fallen auch über die benachbarte Apfelplantage von Jörg Dittrich her und vernichten Teile der Ernte. Fotos: Kraus-Vierling

 

Von Nicoline Pilz

Edingen-Neckarhausen. Seit einigen Tagen steht der Obstbaubetrieb Hauck in Edingen-Neckarhausen im Blickpunkt der Medien. Nachdem die RNZ über die Probleme des Obsterzeugers berichtete, der sich gegen „unsachgemäßen Umgang mit Müll“ der benachbarten Müllumladestation wehrt, zogen Funk und Fernsehen nach.

Am kommenden Mittwoch soll das Thema sogar in der Landesschau aufgegriffen werden. Jörg Dittrich, der mit seiner Frau Isabelle Hauck den Familienbetrieb mit Sitz in Neckarhausen führt, will gegen den französischen Großkonzern GDF Suez SA klagen. Die Franzosen sind über ihr Unternehmen Sita Eigentümer der kleinen Verladestation in Edingen-Neckarhausen, wo „gemischte Siedlungsabfälle“– so der Fachbegriff – angeliefert werden und von dort aus zur Weiterverwertung gelangen. Dittrich stellte bereits im vergangenen Jahr Strafanzeige gegen die Firma, weil dort Müllsäcke ungeschützt herumstanden, die von immer größer werdenden Krähenscharen aufgepickt wurden. Den Inhalt, kleine Portionspackungen, Plastikfolien und anderes mehr, verteilten die Vögel auf den angrenzenden Apfelplantagen der Familie Hauck.

Vom Angebot vor Ort erfreut, machen sich die Vögel über Äpfel auf insgesamt drei Äckern her. Der Schaden, so Dittrich, liege im sechsstelligen Bereich. Auf diese Summe will er den Großkonzern nun verklagen. „Es muss etwas passieren“, sagte er am Mittwochabend bei einer Begehung mit Gemeinderäten und Vertretern der Gemeindeverwaltung.

„Ein drittes Jahr in Folge kann ich mir so einen Ausfall nicht leisten. Die Firma muss mir jetzt etwas anbieten.“ Nachdem Sita Suez im vergangenen Jahr vom Amt für Gewerbeaufsicht und Umweltschutz erteilte Auflagen offenbar nicht erfüllte, kommt jetzt Bewegung in die Sache. Kreissprecher Berno Müller und seine Stellvertreterin Silke Hartmann teilten auf RNZ-Anfrage mit, Sita Suez habe „Sofortmaßnahmen“ zugesagt, die bereits begonnen hätten.

Seit gestern Vormittag werden die Müllsäcke abgetragen und über das Gelände Netze gespannt, damit die Vögel sich nicht mehr bedienen können. Ebenfalls für den gestrigen Vormittag war ein Gespräch zwischen Firmenvertretern und dem Obstbaubetrieb angesetzt, teilte das Landratsamt mit. Offenbar wollen sich die zuständigen Entscheidungsträger vom Firmensitz in der Pfalz nun des Problems annehmen.

Das Aufstellen von Abfallboxen und Containern ist dabei ein Thema. „Aber das ist keine Sofortmaßnahme“, betonte Hartmann. Zukunftsmusik ist der Bau einer Sortierhalle. Laut Dittrich wäre das eine dauerhafte Lösung. Sita Deutschland bestätigte gestern Nachmittag der RNZ, dass die Sofortmaßnahmen aktuell „unter Hochdruck“ umgesetzt würden. Beim Rundgang bestätigte Gemeinderat und Landwirt Helmut Koch, dass es auf den betroffenen Feldern „schlimm“ aussehe. Überall lag Verpackungsmüll verstreut, nahezu jeder Apfel präsentierte sich angepickt. Solche Äpfel kann Dittrich, der das Schulfruchtprogramm Nordbaden beliefert und sponsert, nur noch wegwerfen. Der Ernteausfall sei auf diesen insgesamt acht Hektar fast total.

Obstbauer Georg Schneider erklärte, so extrem sei der Vogelfraß bei ihm auf den Feldern nicht. Er empfahl, Dittrich solle bei Sita Suez das Spannen von Vogelschutz- oder Hagelnetzen über die Obstanlagen verlangen. Und Jagdpächter Albert Gattung empfahl Sita Suez über die RNZ das Abholzen der wilden Brombeerbüsche. Darunter haben Kaninchen ihre geschützten Bauten nahezu ohne natürliche Feinde. Beim Vor-Ort-Termin passierten sie ungeniert den Weg Richtung Apfelplantage. „Die nagen mir die Bäume unten an. 200 Stück muss ich jedes Jahr ersetzen“, schilderte Dittrich.

Seine Frage, ob die Gemeindeverwaltung nicht Einfluss auf die Firma nehmen könne, verneinten Hauptamtsleiter Wolfgang Ding und Kollegin Ulrike Wacker. Pachtbehörde sei das Landratsamt. Dort habe die Gemeinde die Überprüfung der Auflagen auch erbeten. Was den Müll auf den Hauck’schen Feldern betrifft, so wollen Mitarbeiter von Sita Suez diesen aufsammeln. Seinen Schaden durch zweifachen Ernteausfall will Dittrich dennoch geltend machen.

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