Artikel zu: ‘Sita Suez’

Rhein-Neckar-Zeitung 12.08.2011

„Unsere Existenz steht auf dem Spiel“

Von Nicoline Pilz

Edingen-Neckarhausen. Die Geschichte zieht immer weitere Kreise: Nicht nur der Obstbaubetrieb Hauck aus Edingen-Neckarhausen wehrt sich gegen die Müll-Umladestation Sita Suez in seiner unmittelbaren Nachbarschaft. Nachdem die Rhein-Neckar-Zeitung über massive Schäden durch Krähen an den Hauck’schen Apfelplantagen berichtete, meldeten sich weitere Geschädigte bei Obstbauer Jörg Dittrich, der mit Ehefrau Isabelle Hauck das Familienunternehmen leitet.

Darunter Familie König in der Speyerer Straße in Neckarhausen. Es sei im Sommer unmöglich geworden, mit den Kindern in den Garten zu gehen, schildert Sigrid König. Die Geruchsbelästigung durch die angrenzende Müllumladestation sei dann nicht auszuhalten. Zu Spitzenzeiten, ergänzt ihr Mann Daniel, seien die Abfallberge bei Sita Suez so hoch gewesen, dass man sie vom Parkplatz beim Aldi aus hatte sehen können.

Krähen, Ratten und Kaninchen fühlen sich in der Nähe des Abfalls wohl und vermehrten sich seit zwei Jahren rapide, nachdem damals die laute Betonschredderanlage abgebaut und der Umschlag mit Müll intensiviert wurde. Seitdem schleppen die Vögel Verpackungsmaterial in die Felder und laben sich dort an den reifenden Äpfeln, bei anderen an Kürbissen). Die Untere Abfallrechtsbehörde des Kreises erweiterte in 2003 die Betriebsgenehmigung für Sita Suez, vormals Bormann vom bloßen Bauschuttrecycling hin zur Lagerung von Siedlungsmüll aus dem gelben Sack.

Doch handelt Sita nicht nur damit. Satellitenbilder zeigen Abfallcontainer voller Altreifen. Auch Klärschlamm wird dort zwischengelagert sowie Infusionsflaschen und Medikamentenabfälle aus Krankenhäusern, wie man der RNZ berichtete. Dittrichs Anwalt sucht vom Landratsamt als Genehmigungsbehörde zu erfahren, welchen Umfang die Betriebsgenehmigung hat. Die Behörde kontrollierte zuletzt am 12. Juli das Betriebsgelände. „Zu diesem Zeitpunkt war dort alles in Ordnung“, sagte Kreissprecher Berno Müller auf RNZ-Nachfrage. Soweit einsehbar, zeigt sich ein aufgeräumtes Areal. Das sah vor wenigen Wochen noch anders aus.

Sita Deutschland, eine Tochter des französischen Konzerns GDF Suez SA, und der Obstbaubetrieb Hauck werden sich nun um Schadensersatz in sechsstelliger Höhe streiten. Dittrichs Anwalt fordert zudem im Auftrag seines Mandanten das Unternehmen auf, sogenannte Hagelschutznetze über die Apfelplantagen zu spannen. Für die von der Krähenplage betroffenen acht Hektar Fläche sind das Kosten in Höhe von rund 160 000 Euro. Noch lieber wäre es Dittrich aber, wenn die Untere Abfallrechtsbehörde Sita Suez die Genehmigung zur Lagerung des Mülls entziehen könnte.

„Seit 20 Jahren beschäftigt sich das Landwirtschaftsministerium mit solchen Fällen, wo Krähen landwirtschaftliche Existenzen vernichten“, sagt Dittrich. Dokumentiert ist, dass Schwärme gerne auf Mülldeponien leben, sich dort unbehelligt vermehren und dann benachbarte Felder kahl fressen. Die Betroffenen rund um die Müllumladestation wollen nun eine Interessengemeinschaft gründen. Zwischenzeitlich hat Biologe Jörg Dittrich Kreis- und Landtag per Schreiben informiert. Die Kommune, die das Gelände an Sita verpachtet hat, will nach Aussage von Bürgermeister Roland Marsch „gerne helfen“ und sucht das Gespräch mit dem Landratsamt. Zwischen Sita Deutschland und dem Obstbaubetrieb kam es entgegen anderslautender Ankündigungen zu keinem lösungsorientierten Austausch. Für den Obstbaubetrieb, Lieferant und Sponsor des Schulfruchtprogramms Nordbaden, steht nach wie vor seine Existenz auf dem Spiel.

„Ein drittes Jahr halten wir den Ernteausfall von Äpfeln nicht durch“, sagte Dittrich der RNZ. Er ist inzwischen etwas ratlos. Unternehmen und Behörde hüllen sich in Schweigen. Dass Sita inzwischen nach Betriebsschluss Netze über die Abfallberge spannt, bringt dem Obstbaubetrieb nichts, sagt Dittrich. Der Krähenschwarm existiere weiter. Im Moment sei er auf der dritten Plantage unterwegs und fresse dort die Äpfel.

Original Artikel Rhein-Neckar-Zeitung

Artikel in der RNZ vom 06.07.11

Biologe legt sich mit Großkonzern an

 

Von Nicoline Pilz

Edingen-Neckarhausen. Jörg Dittrich ist richtig sauer. „Erbost“ würde seine Emotion wohl am besten treffen, wenn sein Blick auf die gegenüberliegende Müllumladestation und dann zurück auf Äcker des Obstbaubetriebs Hauck schweift.

Den betreibt der Biologe betreibt zusammen mit seiner Frau Isabelle Hauck. Unter anderem hat der Betrieb Felder im Gewann „Die Milben“. Dort, wo früher die Firma Seichter, dann Sita-Bormann Beton und Müll schredderten, lädt das inzwischen an den französischen Großkonzern GDF Suez SA verkaufte Unternehmen Sita Abfall um. Auf besagtem Gelände werden Säcke mit wieder verwertbaren Müll zwischengelagert.

Seit einem Jahr, so schildert Dittrich der RNZ vor Ort, landet ein Teil dieses Mülls in seinen angrenzenden Äckern. Krähen stürzen sich auf leere Joghurtbecher und auf glitzernde Getränkebeutel. Sie schleppen Plastiktüten, Folien oder leere Zahnpastatuben umher, kennen anscheinend bereits das Geräusch der anfahrenden Lkw, um sich dann sofort beim Ausladen auf die Portionspackungen zu stürzen.

Dass es dort etwas zu holen gibt, hat sich beim Krähenvolk offenbar herumgesprochen. Der Ort ist ein beliebter Treffpunkt der schwarzen Gesellen. Auch Kaninchen und Ratten fühlen sich wohl, meint der 46-Jährige.

Vor allem auf der direkt benachbarten Apfelplantage mit drei Hektar Fläche, wo derzeit Frühäpfel reifen sollten, liegen Verpackungen auf dem Boden und hängen Folien zwischen den Bäumen. Der Obstbaubetrieb lässt immer wieder den Boden zwischen den Baumreihen mulchen und die Überreste einsammeln. Das kostet Zeit und Geld. Aber Folien und Aluminium verrotten schließlich nicht, und bei der Erzeugung qualitätsgeprüfter Äpfel lässt der Obsterzeuger jede Sorgfalt walten.

Dittrichs Ärger nimmt zu, wenn er sich die Früchte ansieht. Die Vögel fressen nahezu jeden Apfel an und dadurch sei der Ausfall enorm, obwohl der Jagdpächter „permanent unterwegs“ sei. Die Spitzen vieler neu gepflanzter Bäumchen sind abgeknickt, weil die Krähen sich darauf setzen und die Jungbäume sie nicht tragen können. Pro Hektar ernte der Betrieb zwischen 30 bis 45 Tonnen Äpfel. Jetzt seien es nur noch 20 Tonnen.

Sobald der eine Acker leergefressen ist, wenden sich die gefiederten Räuber dem nächsten zu. Auf einer Fläche von insgesamt acht Hektar verzeichnet Dittrich seit dem vergangenen Jahr einen Schaden im sechsstelligen Bereich. Auf diese Summe will er die Firma nun verklagen. Sein Argument: Der Betrieb gehe unsachgemäß mit dem Müll um. „Ich habe Zeugen, dass es nicht so schlimm war, bevor die Umladestation kam“, betont er. Und führt an, er habe sich erkundigt: Kein Landwirt im Rhein-Neckar-Kreis habe solche Probleme mit Vogelfraß. „Nur hier.“

Betroffen seien weitere Landwirte, die wohl ebenfalls meckern, aber nicht aufbegehren. Während das Gewerbeaufsichtsamt zwar bestätigt, dass Gespräche mit Sita Suez laufen, sich ansonsten aber bedeckt hält, erklärt Dittrich, die Firma habe offenbar Auflagen nicht erfüllt. Die Mitarbeiter vor Ort nimmt er in Schutz. Die Wege zum französischen Mutterkonzern sind wohl weit. Angeblich wollte das Unternehmen vor längerer Zeit bereits dort eine Halle bauen.

Möglich, dass auch dieses Thema heute Abend zur Sprache kommt. Jörg Dittrich hat Behörde, Gemeindeverwaltung und den Gemeinderat um 18 Uhr zu einer Ortsbegehung eingeladen.

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